DMEXCO @home – ein durchwachsenes Erlebnis

  • Die Haltung zählt – Die Digitalwirtschaft bezieht Stellung zu gesellschaftlichen Problemen und weist den Weg in Richtung wertegetriebener Unternehmensführung

  • Digitales Messeformat – kann eine reine Streaming-Messe mit dem Erlebnis einer analogen Messe mithalten?

Europas größte Messe und Konferenz für Digitales Marketing fand 2020 als DMEXCO @home am 23. und 24. September rein digital statt. Konferenzen, Vorträge, Workshops, Deep Dives und sogar Show-Acts fanden ausschließlich als Streaming-Events statt. Als „Besucher“ der DMEXCO @home konnte man also das gesamte Angebot der Digitalmesse wahrnehmen, ohne überhaupt einen Schritt vor die eigene Haustür zu setzen. What a time to be alive! Oder?

„Attitude matters“ – Auf der DMEXCO @home wird Haltung gezeigt

Das Motto der DMEXCO 2020 stand schon vor Corona fest – und hätte seitdem nicht relevanter werden können. Jedes große Unternehmen äußert sich in Keynotes dazu, wieso Haltung gerade in der Digitalwirtschaft zählt und welche Werte sie vertreten. Dabei beziehen sich die Redner nicht nur auf große Themen wie Fake News zum Coronavirus oder ihre politische Einstellung zu den BLM Protesten. Vor allem branchenspezifische Themen wie Datensicherheit und Privatsphäre, verantwortungsvolle Selbstverpflichtung im Kampf gegen digitale Manipulation oder die Grenzen im Einsatz von künstlicher Intelligenz stehen im Fokus der DMEXCO @home.

Auch die steile Weiterentwicklung von E-Commerce in Zeiten von Corona-Lockdown und Homeoffice ist Thema vieler Vorträge, Diskussionen und Workshops. Inhaltlich zeichnet sich dieses Jahr ein klarer Trend in Richtung einer wertegetriebenen Digitalwirtschaft ab. Diese Entwicklung knüpft direkt an das zentrale Motto der DMEXCO 2019 an – damals war das Vertrauen der Nutzer eines der wichtigsten Themenfelder. Eine klare Haltung hilft, genau dieses Vertrauen aufzubauen.

Zu meinen absoluten Highlights zählt abseits der aufwändig produzierten Keynotes von Facebook, Google oder Snap ein Workshop zum Thema Video Ads von XING und Felix Beilharz. Der Onlinemarketing Experte fasste die absoluten Grundlagen performender Social Media Videoanzeigen in nur 20 Minuten so zusammen, dass selbst erfahrene Marketer noch davon profitieren konnten.

Damit überzeugt DMEXCO @home

Auch in der Digitalwirtschaft sind vollkommen digitale Messen eine seltene Ausnahme. Das Erlebnis einer Messe ist einzigartig und durch Innovationen und Neugier geprägt. Folglich stellt sich einem interessierten Marketer die Frage, was überhaupt eine digitale Messe genau ist. Die Veranstalter der DMEXCO @home haben einen Zusammenschnitt des ersten Messetages geteilt, das einen Einblick in das Look and Feel der virtuellen Messer ermöglicht:

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Inhaltlich überzeugte die DMEXCO @home wie üblich durch ein breit gefächertes Angebotsspektrum an Diskussionen, Vorträgen und Workshops. Das Programm reichte von aufwändig produzierten Keynotes von Unternehmen wie Facebook oder Snap, die wichtige Denkanstöße gaben, bis zu Deep Dive Workshops mit Spezialisten der Digitalwirtschaft. Kann die DMEXCO @home die hohen Ansprüche erfüllen, die man zurecht an die bedeutendste Veranstaltung für Digitales Marketing in Europa stellt? Ich habe das Event live am Bildschirm verfolgt und hatte ein eher durchwachsenes Erlebnis.

Der Vortrag liefert nicht das, was ich erwarte? Kein Problem, der nächste Workshop liegt nur zwei Klicks entfernt. Ein Vorteil des digitalen Formats ist vor allem die absolute Flexibilität. So konnten „Besucher“ nicht nur in wenigen Sekunden zwischen allen Live-Events umschalten, alle Veranstaltungen werden nach der Messe auch in einer Video-on-Demand Mediathek hochgeladen. Folglich können alle Vorträge, Diskussionen, Interviews und Workshops auch im Nachhinein unbegrenzt gestreamt werden. Aus zeitlichen Gründen muss man als „Besucher“ in diesem Jahr auf kein interessantes Event verzichten.

DMEXCO @home als digitale Netzwerkplattform

Nicht nur die Inhalte der DMEXCO wurden durch das digitale Format nachhaltiger, auch das Netzwerken mit anderen Teilnehmern und Ausstellern wurde reformiert. In Streaming-Sessions gibt es einen aktiven Live-Chat zur Diskussion mit Zuschauern und Rednern, in virtuellen Cafés gibt es themenbezogene Events mit direkten Austauschmöglichkeiten und Aussteller können per Videochat unter vier Augen mit Interessenten sprechen. Noch dazu gab es die Möglichkeit, sich in privaten Chats mit allen Teilnehmern oder Ausstellern zu vernetzen. Auch wenn man möglicherweise im Homeoffice alleine an der DMEXCO @home teilnimmt, der Kontakt zu anderen Messeteilnehmern wird persönlicher.

Damit kann DMEXCO @home nicht überzeugen

Ob Einzelfall oder systematisch – auch die DMEXCO @home hatte einige Probleme, die dem digitalen Format zugeschrieben werden müssen. Einerseits gab es einzelne Pannen wie etwa Events, die wegen Verbindungsproblemen zum Bedauern der wartenden Zuschauer spontan nicht stattfinden konnten. Ärgerlicher waren allerdings Störungen, die man auch aus dem typischen Homeoffice-Alltag kennt. So gingen Teilnehmer aus Diskussionsrunden beispielsweise an die Tür, weil der Lieferservice klingelt. Andere wurden nahezu minütlich durch Benachrichtigungen auf dem Smartphone abgelenkt. Zu Beginn sorgten solche Zwischenfälle für eine allgemeine Belustigung, wurden im Laufe der DMEXCO @home allerdings zu einem kleinen Störfaktor. Auf einer Bühne vor anwesendem Publikum wären diese Störungen schließlich nicht denkbar.

Unser Fazit zur DMEXCO @home

Die Veranstalter selbst formulieren ein positives Fazit zur DMEXCO @home. Oliver Frese, COO der Koelnmesse, hat bereits angekündigt, dass die DMEXCO zukünftig als digitales und physisches Event geplant wird. Auch andere Stimmen aus den Reihen der Organisatoren lassen in der Zukunft ein hybrides Format vermuten.

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Das heimische Umfeld steigert außerdem nicht nur Flexibilität und Komfort der Veranstaltung, die Atmosphäre einer „echten“ Messe ist durchaus eindrucksvoller. Kurz gesagt: Es fehlen die Emotionen. Auch wenn wir als „Besucher“ mehr Input und mehr Kontakte von der DMEXCO @home mitnehmen konnten, das aufregende Gefühl einer Messe blieb dieses Jahr auf der Strecke. Als Erlebnis sind digitale Messen wohl eher durchwachsen, dafür profitieren sowohl Aussteller als auch „Besucher“ mehr und auch nachhaltiger.